,,Neuer Weg” - die erste Ausgabe erschien vor 50 Jahren.

Nach dem 23. August 1944 wurden ihre Organisationen aufgelöst, die Deutschen in Rumänien waren bis 1948 praktisch entrechtet. Im Juni 1 948 fand ein Plenum des Zentralkomitees der kommunistischen Partei statt, das sich mit der Frage der nationalen Minderheiten befaßte. In der Folge wurde das Deutsche Antifaschistische Komitee gegründet, dessen Aufgabe es war, die ,,deutschen Werktätigen” für den ,,Aufbau der sozialistischen Gesellschaft” zu gewinnen. Eingeschriebene Mitglieder hatte die Organisation nicht. Linientreue Genossen wurden in den Vorstand ernannt. Die Auswahl unter den Deutschen war nicht groß. Die bekannten deutschen Politiker der Zwischenkriegszeit, auch jene, die zum Nationalsozialismus auf Distanz gegangen waren, befanden sich im Gefängnis. Die Leute des Antifa-Komitees waren auf Landesebene unbekannt. Das Komitee wurde beauftragt, eine überregionale deutsche Zeitung herauszugeben. Anfang Feber 1949 wurde die Redaktion der Zeitung gebildet. Sie stand vor einer schwierigen Aufgabe, zum einen weil die Situation der Deut-schen in Rumänien 1948ß eine schwierige war, zum anderen weil zum erstenmal in Bukarest eine zentrale Zeitung für alle Rumäniendeutschen gemacht werden sollte.
Am 13. März 1949, an einem Sonntag erschien die Nr. 1 der Zeitung ,,Neuer Weg” als ,,Organ des Deutschen Antifaschistischen Komitees in der Rumänischen Volksrepublik”. Der Titel entsprach dem Auftrag der ,,Umerziehung”. Der Leitartikel mit dem Titel ,,Unser Weg” ist denn auch ein politisches Be-kenntnis zu den Zielen der Partei. 1953 wurde das Antifa-Komitee aufgelöst, selbst eine linientreue eigene politische Organisation der Deutschen war unerwünscht. Der ,,Neue Weg” erschien fortan als ,,Organ der Volksräte” und ab 1973 als ,,Organ der Front der Sozialistischen Einheit”.
Eindeutig ein Produkt kommunistischer Politik, wurde die Zeitung anfangs mit Skepsis, ja Mißtrauen seitens der deutschen Bevölkerung aufgenommen, beteiligte der ,,Neue Weg” sich doch auftragsgemäß an den Hetzkampagnen der stalinistischen Zeit, z.B. als es Anfang der 50er Jahre zur Verhaftung von Bischof Pacha und anderen Kirchenleuten kam.
Erst allmählich erkannte man, daß es keine Alternative gab und nutzte die Chance, die sich mit der Zeitung bot. So folgten 1954 neun namhafte deutsche Intellektuelle aus Siebenbürgen und dem Banat, unter ihnen Alexander Tietz, einer Einladung der Redaktion zu einem Gespräch über die Pflege der deutschen Kultur. Daraus entwickelte sich ein Konzept für die Bildungsarbeit im allgemeinen sowie für die Herausgabe der Kulturbeilage. Die Zeitung gewann nach und nach an Akzeptanz bei den Rumäniendeutschen, insbesondere als sie in der Tauwetterperiode der sechziger Jahre Freiräume geschickt zu nutzen wußte. Die Leute vom ,,Neuen Weg” wurden Ansprechpartner, wenn es darum ging, sich für Belange der deutschen Bevölkerung in rund 500 Ortschaften einzusetzen (Schule, Kultur u.a.). Traditionelle Feste wie das der Kirchweihe im Banat wurden wiederbelebt, indem man es als Fest des Volkes pries und das Mundartwort ,,Kerwei” in der Presse dafür gebrauchte, dem die ,,Kirche” auf den ersten Blick nicht anzumerken war. Der Kulturbeilage folgten weitere Sonderseiten wie jene für Pioniere und Schüler, für Frauen, für Wissenschaft und Technik. Die Redaktion interessierte sich für Fragen des Unterrichts in deutschen Schulen, förderte das Sammeln von sprachlichem Volksgut, indem man sich z.B. in den 50er und 60er Jahren für die Herausgabe der Sammlungen von Tietz einsetzte und 1972 einen Wettbewerb zum Sammeln des Banater Volksguts veranstaltete, zu dem mehr als 10.000 Texte eingingen. Auch die zahlreichen Leserbriefe zeigten das Interesse der Bevölkerung an ihrer Zeitung. Hans Fink, langjähriger Mitarbeiter des ,,Neuen Wegs” schreibt dazu in der ,,Banater Post”: ,,Die Redaktionskonferenz fand im geräumigen Büro des Chefredakteurs statt. Uber dessen Sessel hing natürlich ein Bild des Diktators in den vorgeschriebenen Maßen, aber daneben stand unsichtbar in großen Lettern: "Was geben wir dem Leser?” Dazu gehörte auch die Beschäftigung mit der Geschichte, etwa in der Rubrik ,,Kleine Heimatkunde”. Indem Wissen vermittelt wurde über die Geschichte der Deutschen in Rumänien, das in den Schulbüchern nicht zu finden war konnte die junge Generation ein entsprechendes Geschichtsbewußtsein eintwickeln.
Für die Redakteure war die Arbeit nicht selten ein Spagat zwischen den Richtlinien der Partei und der Interessenvertretung ihrer Leser, der rumäniendeutschen Bevölkerung. Michael Kroner schreibt in der ,,Siebenbürgischen Zeitung” dazu:
Ihnen ,,blieb natürlich nichts anderes übrig, als sich durch das demagogisch-verlogene, politische Umfeld mit dessen ideologischem Ballast durchzuwursteln. Das politische Umfeld bedienten die ersten 2-3 Seiten. Sie enthielten die Pflichttexte, Übersetzungen der Berichte über die Sitzungen des Zentralkomitees, der Reden des großen Führers, Berichte über die Arbeitserfolge in den Staatsbetrieben und landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften. Dieser Seiten wegen wäre die Zeitung nicht gekauft worden. Die Treue hielten ihr die Leser wegen der letzten Seiten.
Als Bindeglied zwischen allen Deutschen Rumäniens hat der ,,Neue Weg” maßgeblich dazu beigetragen, daß sich bei der Nachkriegsgeneration zum erstenmal so etwas wie eine rumäniendeutsche Identität herausbildete. Die ist bei den Aussiedlern in Deutschland leider weitgehend verlorengegangen, denn man sieht sich wieder primär als Banater Schwabe, Siebenbürger Sachse etc.
Daß Banater Bergländer maßgeblich an der Gestaltung der Zeitung mitgewirkt haben, sollte nicht unerwähnt bleiben. Bereits dem Vorstand des Antifa-Komitees gehörten mit Anton Breitenhofer und Josef Puvak zwei Reschitzer Arbeiter an. Anton Breitenhofer war dann über viele Jahre Chefredakteur des ,,Neuen Wegs”. Einer seiner Stellvertreter, Erich Wayand, stammte ebenfalls aus Reschitz. Als ehemalige Illegalisten waren sie Linientreue Genossen. Als Mitglied des ZK hat Breitenhofer seinen Einfluß aber oft im Interesse der Zeitung gennutzt, erinnern sich einstige Mitarbeiter. Georg Hromadka kam 1956 zur Zeitung. Er war gelernter Journalist und als Generalsekretär der Redaktion in den sechziger Jahren der eigentliche Blattmacher.
Nach der politischen Wende 1989 brach auch für den ,,Neuen Weg” eine neue Zeit an. Er erschien bis Ende 1992 unter seinem alten Namen, aber mit dem Untertitel ,,Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien”. Der Untertitel ist seit 1993 der Name der Zeitung, bekannter unter dem Kürzel ADZ.
Die Rumäniendeutschen werden seit 1990 politisch durch das Demokratische Forum der Deutschen Rumäniens (DFDR) vertreten. Die Zeitung unterstützt zwar publizistisch dessen Arbeit, ist aber als parteiunabhängiges Blatt nicht dessen ,,Organ”. Herausgegeben wird sie von einer ,,Stiftung zur Förderung der Deutschen Literatur in Rumänien‘. Da sie ihre Existenz nicht über Vertrieb und Werbung (Die ist so gut wie inexistent.) sichern kann, wird sie vom Departament für Minderheiten über das DFDR finanziell unterstützt. Die einst selbständigen Regionalzeitungen ,,Karpatenrundschau” und ,,Banater Zeitung” gibt es als solche nicht mehr, sie erscheinen jetzt einmal wöchentlich als Beilagen der ADZ, haben jedoch noch kleine eigene Redaktionen in Kronstadt bzw. Temeswar. Die neue Pressefreiheit öffnet auch der ADZ neue Möglichkei-ten der Berichterstattung, zugleich führte die massive Aus-siedlung zu einer dramatischen Schrumpfung der Leserzahl. In den für den ,,Neuen Weg” guten 60er und 70er Jahren erschienen Auflagen zwischen 60.000 und 80.000. Davon wagt man heute nicht einmal zu träumen.
Die ADZ sieht sich als deutschsprachiges Informationsblatt des Landes. Sie wird als solches auch im Ausland angeboten. Man findet sie in allen großen Bahnhöfen Deutschlands. 
Im Abonnement wird sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertrieben durch den 

felix matei-Verlag, 
Postfach 3151, 
D-55021 Mainz 1, 
Telefon 06205/922733, Fax: 06205/922735.

 

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