,,Wir sitzen oft fröhlich beisammen und denken der Heimat so gern.
Dem Herzen bleibt Heimat stets nahe und sind wir von ihr noch so fern.“
In minte, mii de doruri revin si se destrama... un singur dor ramäne:
de tarä si de mamä.
(tausend Sehnsüchte kommen und gehen, eine bleibt: die nach der
Heimat und der Mutter)
Diese Verse stehen als Motto auf der Innenseite der Einladung zum Steierdorfer
Doppeljubiläum. Die Einladung spricht damit wohl eher ein Gefühl
derer an, die fern der Steierdorfer Heimat leben. Ob sie eigens für
jene gedruckt wurde? Das ,,Heimweh" hat jedenfalls viele von ihnen nach
Steierdorf geführt. Mit dem Auto kamen sie angereist, und auch die
Gelegenheit, die sich durch die angebotene Gruppenreise bot, wurde ge-nutzt,
um der Einladung zu folgen und mit den in Steierdorf Verbliebenen zu feiern.
Das Rathaus, der Kirchenrat, das deutsche Forum und die Steierdorfer
Allgemeinschule Nr.2 haben als Veranstalter der Feierlichkeiten gut zusammengearbeitet
und ein Festpro-gramm geboten, das sich sehen lassen konnte.
Zur Eröffnung der Jubiläumsfeier hatten sich am Samstag,
den 6. Juni, gegen 4 Uhr Nachmittag einige hundert Gäste auf dem Steierdorfer
Kirchplatz und dem Marktplatz eingefunden. Schon bald erklang Blasmusik.
Vom Kirchplatz kommend, schritt die Kapelle, angeführt von ihrem Dirigenten
Radu Sorin, durch die Hauptstraße auf den Marktplatz zu. Ihr folgte
die Schuljugend, die den mit Tannenzweigen und bunten Bändern (rot,
gelb, blau, grün) geschmückten Kirchweihbaum zum Marktplatz trug,
während sie, angeführt von Nelu Brotac, lautstark Kirchweihsprüche
rief. Mitten auf dem Marktplatz wurde der Baum traditionsgemäß
aufgestellt als Zeichen, daß im Ort Kirchweih gefeiert wird.
Vom Marktplatz begab man sich ins Kulturhaus zum offiziellen Teil der
225-Jahnfeier. Am Eingang wurden an die Besucher Faltblätter verteilt
mit Informationen zur Geschichte Steierdorf-Anina in ,,Daten und Ziffern".
Der Saal war von Henriette Bacsizan und ihren Helferinnen mit bunten Girlanden
festlich geschmückt worden. Vor dem dunklen Bühnenhintergrund
hing die rumänische Trikolore in der Mitte, rechts und links die deutsche
und die österreichische Fahne. Die drei Fahnen wa-ren auch in der
Hauptgasse und auf dem Kirchplatz zu sehen. Der Frauenchor des deutschen
Forums eröffnete die Feier-stunde. Unter Leitung der Lehrerin Gabriela
Plestici sangen die vierzehn Frauen die rumänische Staatshymne, der
die österreichische und die deutsche folgten. Es ist als ein schönes
Zeichen des Entgegenkommens zu werden, daß man sich die Mühe
gemacht hat, die zwei letzteren zu erlernen und als Zeichen der Verbundenheit
mit den Steierdorfern, die heute in Österreich und Deutschland leben,
vorzutragen, vor allem aber als Zeichen der Dankbarkeit für die Hilfe,
die man von Seiten dieser Länder in den zurückliegenden
Jahren bekommen hat und noch bekommt, wie dies die Anwesenheit des deutschen
Konsuls Uwe Zorn als Ehrengast bezeugte. Als Vorsitzende des Demokratischen
Ortsforums der Deutschen begrüßte die Schulleiterin Geta Grolmusz
die Ehrengäste. Sie war es auch, die anschließend durch das
Programm führte. Als erster sprach Gheorghe Neicu, der Bürgermeister
von Steierdorf-Anina. Er sprach über die Geschichte des Ortes, erinnerte
daran, daß hier heute fünfzehn ethnische Gruppen zusammenleben.
All jene, die weggegangen sind und als Be-sucher wiederkommen, ,,weil sie
ihr Herz hiergelassen haben", seien stets willkommen, sagte er. Ladislaus
Dubovsky überbrachte vom Alpenländischen Kulturverband Südmark
zu Graz eine Grußbotschaft und eine Spende von 1000 DM zur Förderung
des Deutschunterrichts. Die Grüße des Heimatverbandes überbrachte
Ignaz Stubner, langjähriger Vorsitzender des Heimatkreisverbandes
Steierdorf, der auch im Namen aller Weggegangenen- geflüchteten und
ausgesiedelten - Steierdorfer sprach. Er dankte allen an der Organisation
der Feierlichkeiten Beteiligten und allen, die dem Aufruf des Steierdorfer
Kirchenrates und des Heimatverbandes gefolgt sind und für die Instandsetzung
der Kirche gespendet haben. Alle Reden wurden von Herrn Vlad übersetzt.
Von seiten des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen sprach
Erwin Tigla - deutsch und rumänisch. Er erinnerte daran, daß
1994 die Deutsche Kulturdekade des Banater Berg landes in Steierdorf eröffnet
wurde. Die Vorbereitung auf dieses Ereignis habe die deutsche Kulturarbeit
wiederbelebt, für die auch die Jugend gewonnen werden konnte. Abschließend
verlas Pfarrer Plavustyak den Brief eines Mannes, der seit dem Krieg nicht
mehr in Steierdorf lebt, aber einer jener ist, die ,,ihr Herz hiergelassen
haben". Der pensionierte Grazer Schulleiter Franz Kontur legte Wert darauf,
wenigstens mittels dieses Briefes dabei zu sein, wenn in seiner geliebten
alten Heimat gefeiert wird. Das anschließende Kulturprogramm bestritt
ein Kinderchor, der, angeleitet und auf der elektronischen Orgel begleitet
von Pfarrer Plavustyak, eine Reihe bekannter deutscher Volkslieder sang:
Mädl, ruck, ruck, ruck..., Ein Tiroler wollte jagen..., Wem Gott
will rechte Gunst erweisen... und andere.
Für das leibliche Wohl der auswärtigen Gäste war bestens
gesorgt. Im Anschluß an das Programm wurden sie von den Frauen aus
dem Komitee des Forums Geta Grolmusz, Juliane Georgescu und Wetusch Bido,
der Köchin, mit appetitlich belegten Broten sowie mit Kaffee und leckeren
Mehlspeisen verwöhnt.
Am Sonntagmorgen traf man sich erneut auf dem Marktplatz, wo sich um
halb elf der Festzug unter den Klängen der Blasmusik in Bewegung setzte.
Eröffnet wurde er von der kleinen Gruppe der Freiwilligen Feuerwehr,
einem traditionsreichen Steierdorfer
Verein, angeführt vom Kommandanten Norbert Klempar. Mit dabei
eine von Pferden gezogene alte Löschpumpe, ein wahrlich historisches
Stück. Es folgten die Kirchweihpaare in Tracht, allen voran Judith
Ernestine Grolmusz und Alexander Hirschpek, das Paar mit dem Kirchweihstrauß.
Dem Zug schlossen sich die Steierdorfer und ihre Gäste an zum gemeinsamen
Kirchgang. Auf dem Kirchplatz zeigten die über fünfzig Kirchweihpaare
einen kunstvollen Aufmarsch, den Adriana Fometescu mit ihnen eingeübt
hatte.
Die kleine, schmucke Kirche war bis auf den letzen Stehplatz besetzt.
Die mit Blumen geschmückten Altäre, die festlich gekleideten
Menschen, die Strahlen der Sonne, die durch die Fenster drangen, alles
war dazu angetan, die Menschen feierlich zu stimmen. Dechant Josef Csaba
Pal aus Reschitz und der Temeswarer Dechant Andreas Reinholz zelebrierten
das Hochamt zweisprachig, assistiert von Pfarrern umliegender Orte (Kraschowa,
Lupac u.a.). Der Frauenchor, unter der Leitung von Pfarrer Plavustyak,
und ein Klarinettentrio, bestehend aus Murgu Oskar; Lupu Marcel und Gerhard
Stubner; begleiteten die Messe musikalisch. Das Trio spielte Divertimenti
von Mozart und ein böhmisches Menuett. Das Vaterunser wurde rumänisch
gesungen von Gabi Plestici und Johann Blistjar. Es war eine erhebende Kirchweihmesse,
dem Ereignis des 125. Kirchenjubiläums angemessen. Nach der Hl. Messe
dankte Pfarrer Plavustyak allen Spendern, die eine Renovierung der Kirche
ermöglicht hatten und berichtete über die Verwendung der Gelder.
War der Vormittag der Feierlichkeit vorbehalten, so gehörte der
Nachmittag dem Vergnügen. Auf dem Marktplatz wurde der Kirchweihstrauß
traditionsgemäß an das erste Kirchweihpaar verliehen. Die Tombola
machte einige zu glücklichen Gewinnern. Daß die Gewinne eher
bescheiden waren, machte keinem etwas aus. Die Hauptsache war der Spaß.
Jugendliche - im schmucken Dirndl die Mädel, in Lederhosen und mit
Tirolerhut die Burschen- führten einen Bändertanz vor, den Brigitte
Domstauder mit ihnen eingeübt hatte. Am Rande des Kirchplatzes war
ein Karussell aufgebaut, an dem die Kleinen ihren Spaß hatten. Und
an den Verkaufsbuden wurden Erfrischungen angeboten.
Im Kulturhaus begann das Abendprogramm mit dem Auftritt des Chores.
Gesungen wurden altbekannte deutsche Lieder. ,,I bin a Steirabua..." durfte
da ebensowenig fehlen wie das Steierdorfer Lied, das Frau Elisabeth Csunderlik
uns bereits während der Busfahrt zur Einstimmung vorgesungen hatte.
Und auch der Kirchenchor sang wieder einige der wohlbekannte alten deutschen
Kinderlieder. Es gab 'Mici' und 'Gratar' und Bier. Musiker aus Herkulesbad
spielten zum Tanz auf. Gefeiert wurde bis in die frühen Morgenstunden.
Daß ab und zu das Licht ausging, weil die Stromleitung der Belastung
nicht standhielt, trübte die gute Laune nicht.
Wir vom Heimatverband, die wir als Gäste von auswärts angereist
kamen, waren angenehm überrascht von dem, was uns in Steierdorf geboten
wurde. Die Steierdorfer haben bewiesen, daß sie auch in für
Land und Leute schwierigen Zeiten zu feiern wissen.
All das, was der Gast anläßlich des Doppeljubiläums
in Steierdorf erleben durfte, hat gewiß viel Arbeit gemacht. Aber
die Veranstalter können sich im nachhinein sagen: die Mühe, die
Arbeit, die geopferte Zeit - es hat sich gelohnt. Das Steierdorfer Doppeijubiläum
wird denen, die dabei waren, unvergessen bleiben.
Ich möchte diesen Bericht nicht abschließen, ohne im Namen des Heimatverbandes ein herzliches Dankeschön zu sagen unseren Gastgebern Hochwürden Pfarrer Laurentius Plavustyak und dem Kirchenratpräses Herrn Johann Blistyar; die uns eingeladen haben, dem Bürgermeister der Stadt Steierdorf-Anina Herrn Gheorghe Neicu für den freundlichen Empfang und die Unterstützung, die er den Steierdorfern bei der Veranstaltung dieses Festes gewährte. Ein herzliches Dankeschön auch den Mitgliedern des Forumskomitees sowie an alle Genannten und Ungenannten, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben.