Die erste Heilige Messe
Das erste Gotteshaus der Ansiedler war der freie grüne Wald. Die
Säulen waren die alten mächtigen Baumriesen, der erste Organist
war der Wind, der bald friedlich still, bald stürmisch rauh durch
die hohen Baumwipfel strich. Darüber spannte Gott sein unendlich weites
Kirchendach mit seiner Sonnen- und Sternenbeleuchtung.
Der erste Altar war der Stumpf einer allen ehrwürdigen Buche,
auf dem der Kaplan Franz Sommer aus Orawitz die erste Hl. Messe für
die Aussiedler las.
Über diese Altarbuche wird folgendes erzählt: Johann Tritscher
aus Schladming war auserwählt, unter der Aufsicht eines Orawitzaer
Zimmermeisters, die Buche zu fällen. Der altersgraue Baumriese war
kaum gefallen, als Tritscher von dem Zimmermeister zwei schallende Maulschellen
erhielt. Dazu sagte er noch: ,,Na, na, mach dir nichts draus. Diese zwei
Ohrfeigen habe ich dir nicht als Strafe gegeben, sondern als Erinnerung
für dich, deine Kinder und Kindeskinder, daß du die Ehre gehabt
hast, den Baum zu werfen, auf dem die erste Heilige Messe gelesen wurde.
So laß es gut sein!"
Der Arbeitsbereich der Männer war der Wald, wo sie als Wochenberger
die ganze Woche hindurch in mehr als luftigen, aus Holzspältlingen
zusammengefügten Hütten hausten, nach schweren Tagwerken auf
bloßen, grob zugehackten Brettern schliefen, wobei sie im Winter
auf der dem Hüttenfeuer zugekehrten Körperseite fast verbrannten
und auf der der Hüttenwand zugekehrten Seite nahezu erfroren. Während
der kurzbemessenen täglichen Arbeitspausen - eine halbe Stunde zum
Frühstück, eine Stunde zu Mittag - mußten sie ihre kargen
Speisen selbst zubereiten, und zwar Einbrennsuppe zum Frühstück,
Sterz, Nocken und Kartoffeln, Holznocken -jedenfalls sehr 'nahrhafte' Speisen
- zu Mittags- und Abendessen. Montag und Dienstag, also an den Anfangstagen
der Woche, waren auch Butter und Topfen eine kleine Abwechslung im täglichen
Menü. Montags, schon vor Tagesanbruch, wanderten die Waldarbeiter,
mit vollem Rucksack und auch noch mit verschiedenen Werkzeugen belastet,
die steilen, weglosen Hänge hinan, um auf möglichst kurzen Wegen
je eher die Arbeitsstätten zu erreichen; und erst Samstag, die Köhler
sogar erst nach vierzehn Tagen, kehrten sie wieder ins Dorf, in ihre Wohnungen,
zu ihren Familien zurück. An diesem Tage, Samstag, wurde das Tagewerk
im Sommer schon um vier, ansonsten um fünf Uhr morgens, begonnen und
um ein Uhr Mittag Feierabend gemacht; nun wurden die noch von der Wochenkost
übriggebliebenen Brotstücke, um dieselben nicht wieder nach Hause
zu tragen, mit etwas vorrätigem Fett ausgeröstet und verzehrt
(Reste wurden den Kindern nach Hause mitgenommen), hernach wurden die Werkzeuge
in verschiedenen Holzstößen oder unter Laub und Reisig versteckt,
und dann zogen sie heim, die wackeren Holzknechte, um das Wochenende im
Kreise ihrer Familie zu verbringen. Sie wurden von den kleinen Kindern
mit Sehnsucht erwartet und mit Jubel empfangen wegen des sogenannten Hasenbrotes,
das der Vater angeblich im Walde von den Hasen geschenkt bekommen hatte;
den Müttern und Eheweibern aber wurden die abgerissenen, unsauberen
Kleider zum Ausbessern und Reinigen heimgebracht. Auch im Winter dauerte
das Tagewerk von sechs Uhr früh bis sechs Uhr abends; in den finsteren
Morgen- und Abendstunden ersetzen brennende Reisig stöße und
Schlagabfälle das Tageslicht - so auch der gute Mond.
Die Arbeitskleider der Waldarbeiter waren grobes leinenes Hemd und
Unterhose aus demselben Stoff, eine Zeughose darüber; im Winter Barchenthemd
und Barchentjanker, ein Halstuch aus Schafswolle und Filzhut; bei sehr
großer Kälte trug man das ärmellose Pelzleibchen; Holzschuhe
und 'Opintschen' waren die Fußbekleidung.
So ist die Aninaer Kohle aufgefunden worden
Wissen Sie, wer die Aninaer Steinkohle gefunden hat? Ein Schwein. Die
Steinkohle war ganz nah an der Oberfläche gelegen, nur mit einer dünnen
Grasschicht bedeckt, und das Schwein hat mit seinem Rüssel die Scholle
von der Kohle fortgewühlt. Zufällig machten die Schweinshalterbuben
von Steierdorf gerade an der Stelle, wo das Schwein die Steinkohle bloßgelegt
hatte, ihr Lagerfeuer. Auf einmal merkten sie, daß der Stein unter
ihrem Feuer brennt! Ein Bub nahm ein Stück von dem 'schwarzen Stein',
der brennen kann, mit ins Dorf und zeigte ihn seinem Vater. Der Vater,
ein Holzschläger namens Nikolaus Hammer, zog sein Sonntagskleid an,
wickelte den Stein in ein Schnupftuch und trug ihn zu der Königlichen
Bergdirektion nach Orawitz. Als die Herren den Stein sahen, wurden sie
auf einmal sehr freundlich. Sie klopften dem Mann auf die Schulter und
ließen ihm bei der Kasse eine Belohnung von fünfzig Gulden auszahlen.
So ist die Kohle von Anina aufgefunden worden. Das war im Andreasgraben
im Aninaer Tal. Dort wurde der erste Schacht, der Purcaru-Schacht, getauft.
(Purcar bedeutet auf Rumänisch Schweinshalter.)
Die Betonlunge
In den früheren Zeiten wurden in der Grube mit Handbohrern und
Handfäustel gearbeitet. Einer hielt den Handbohrer, und der andere
schlug mit dem Handfäustel darauf.
Um 1912 sind der Bohrhammer und der Schremmhammer eingeführt worden.
Beide werden mit Luftdruck betrieben. Mit dem Bohrhammer wird das Sprengloch
in den Stein getrieben, mit dem Schremmhammer, der breite Meißel
hat, wird das Profil erweitert. In der ersten Zeit wurde der Bohrhammer
auf einen Ständer gestützt, dann sind die automatischen Bohrhämmer
aufgekommen, die in der Hand gehalten werden.
Der Bohrhammer erzeugt beim Bohren Staub. Es entsteht ein derart dicker
Staub, daß man die elektrische Lampe nicht mehr sieht. Der eingeatmete
Staub legt sich auf die Lunge und bringt den Bergmann in kurzer Zeit um.
Als Schutzmaßnahme gegen den Gesteinstaub ist die Wasserspülung
eingeführt worden: der Bohrer ist immer unter Wasser. Aber durch die
Spülung geht die Arbeit im Schlamm langsamer vorwärts, und der
Bergmann kann nicht so viel erzeugen wie bei dem trockenen Bohren. Die
Löhne waren früher; in kapitalistischer Zeit, so niedrig, daß
der Bergmann, um etwas zu verdienen, auf die Wasserspülung verzichtete.
Er band sich ein nasses Tuch vor Mund und Nase und bohrte trocken. Das
Trockenbohren wurde zwar von der Werkleitung verboten, aber die dafür
bestimmten Geldstrafen waren so unbedeutend, daß das Verbot praktisch
unbeachtet blieb. Es setzte unter den Bergleuten ein Massensterben ein.
Ganze Gassen waren nur mehr von Witwen bewohnt.
Da arbeitete in Anina im Bergwerk ein starker Mann, er war früher
Fleischhauer gewesen, er hatte im Zirkus mit dem Bären gerungen; er
arbeitete in der Grube mit zwei Schremmhämmern auf einmal und trocken;
ihm könne der Staub nicht schaden, sagte er; in sechs Monaten war
er tot.
Ein anderer Bergmann war Ringkämpfer. Einmal war eine Riese entgleist
und in die Wasserrösche gefallen. Acht Mann plagten sich, die Riese
aufzuheben. Er sagte: ,,Geht's weg!" Stellte sich mit dem Rücken an
die Riese und hob sie allein ins Geleise hinein. Eine solche Bergriese
kommt auf tausend Kilogramm. In zwei Jahren wanderte auch er auf den Friedhof.
Die Leute sagten: ,,A Betonierter is gangen."
Heute ist das Trockenbohren streng verboten und wird nicht mehr geübt.
Die Erzählungen von Alexander Ribal und Josef Skala sowie die Aufzeichnungen
von Joseph Windhager wurden der Sammlung von A. Tietz ,,Wo in den Tälern
die Schlote rauchen" entnommen.
Weitere Publikationen zur Geschichte des Banater Berglandes
Josef Kracher: Geschichte von Steierdorf-Anina 1773 bis 1873.
Temesvar 1873
Gerda Schön: Steierdorf im Banater Bergland. Eine Auswertung
der ersten Kirchenbücher von 1774-1852. Ulm 1992*
Wilhelm Siovig: Kurzer Umriß der Geschichte von Steierdorf-Anina.
Hermannstadt 1940
Franz Stanglica: Steierdorf im Banat. Leipzig 1939. Überarbeitet
und herausgegeben von Gerda Schön. Bad Vilbel 1982
Josef Tritfler: Die Einwanderung aus dem böhmischen Raum
nach Steierdorf 1846 bis 1860. Manuskript 1941
C. Fenesan, R. Gräf, VM. Zaberca, I. Popa: Din istoria
carbunelui. Anina 200. Reschitza 1991
Alexander Tietz: Wo in den Tälern die Schlote rauchen.
Bukarest 1968
Julius A. Baumann: Geschichte der Banaler Berglanddeutschen
Volksgruppe. Wien 1989
Georg Hromadka: Kleine Chronik des Banaler Berg lands. München
1993*
Karl L. Lupsiasca: Dieses von Natur aus reiche Land. Reschitza
1997*
Rudolf Gräf: Domeniul banatean als St EG. Reschitza 1997*
,,Echo der Vortragsreihe", Heft 6, Juni 1998, Reschitza
Die mit * gekennzeichneten Bücher sind
beim Heimatverband erhältlich