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-Der Kreis Goldap- Raute

 
 

Der Kreis Goldap in Ostpreußen, gelegen an der Ostgrenze Deutschlands und Ostpreußen hatte 1939 45.000 Einwohner. Er bestand damals aus der Kreisstadt Goldap mit ca. 12.800 Einwohnern und 171 Landgemeinden gegliedert in neun Kirchspiele (Kirchengemeinden) Goldap Alte Kirche, Goldap Neue Kirche, Grabowen (Arnswald), Gawaiten (Herzogsrode), Gumen, Dubeningken, Szittkehmen (Wehrkirchen), Tollmingkehmen und Rominten (Harteck).

Im Kreis Goldap existierten 810 Handwerksbetriebe, 19 Sägewerke, 3 Ziegeleien und eine Papiermühle sowie 4.566 landwirtschaftliche Betriebe.

Die Kreisstadt Goldap verfügte über drei Kirchen, Amtsgericht, ein Gymnasium, ein Lyzeum, Volksschulen, Berufsschule, Landwirtschaftsschule, Krankenhaus, drei Hotels, zwei Kasernen, zwei Sägewerke, eine Brauerei, Molkerei, Schlachthof, und den zweitgrößten Marktplatz Deutschlands (vor allem bekannt durch große Vieh- und Pferdemärkte).

 
Zur Geschichte von Goldap :
 
  • 1500 Erste Erwähnung, Bericht eines Wildhüters in der Rominter Heide.
  • 1530 Erwähnung des Ortes Gawaiten (später Kirchdorf)
  • 1565 Erste Besiedlung
  • 1570, am 15.Mai, Gründung der Stadt Goldap - Stadtprivileg durch Caspar von Nostiz.
  • Bis zum 17. Jahrhundert hatte die Stadt an der Ostgrenze Preußens ständig durch kriegerische Überfälle zu leiden, außerdem wurde sie ständig durch Feuersbrünste heimgesucht.
  • Ab 1718 gab es eine Bürgergarde.
  • 1719 Garnison
  • 1741 Einzug des Regiments der schwarzen Husaren und des Bosniakenregiments.
  • 1763-1783 Garnisonschef Friedrich von Lossow, ein Freund Immanuel Kants. (Weiteste Reise Kants von Königsberg nach Goldap zu seinem Freund.)
  • 1709/11 wütet die Pest in Goldap und Umgebung, das dadurch entvölkerte Land wird durch Neusiedler aus Brandenburg, Pommern, Magdeburg, Halberstadt, Preußen, aus der Schweiz, aus Litauen, aus der Pfalz und Nassau besiedelt.
  • 1732 kommen die Salzburger, die um ihres evangelischen Glaubens Willen im Salzburger Land vertrieben wurden. Sie siedelten vor allem im östlichen Kreis Goldap. Zu dieser Zeit bestand der Kreis Goldap bereits aus den Kirchspielen Goldap, Gawaiten, Gurnen, Tollmingkehmen, Groß Rominten, Dubeningken, Szittkehmen und Grabowen.
  • 1778 wird auf dem Markt die Garnison- und reformierte Kirche gebaut (später Neue Kirche).
  • Im 18 Jahrhundert war Goldap eine bedeutende Handwerkerstadt, so waren alle Gewerke vertreten, vor allem Bäcker, Töpfer und Schuster.
  • Am 19. September 1818 wurde Goldap zur Kreisstadt und nach Aufhebung seiner vier Tore zur offenen Stadt erklärt.
  • Im Mai 1820 wurde die 250-Jahrfeier zur Gründung der Stadt festlich von ihren Bürgern begangen.
  • 1832 zählt die Stadt 3.494 Einwohner, 1900 = 7.000 Einwohner, 1914 = 9.500 Einwohner, 1939 = 12.800 Einwohner. Der Kreis Goldap zählt 1939 45.000 Einwohner.
  • 1879 wurde die Eisenbahnstrecke Insterburg - Goldap - Lyck eingeweiht, damit hatte Goldap nun auch den Anschluß nach Eydtkuhnen - Königsberg und Berlin. 1897 folgte die Eisenbahnlinie Angerburg - Goldap, 1901 die Strecke Goldap - Stallupönen und 1927 die Strecke Goldap - Szittkehmen.
  • 1887 wird Kaiser Wilhelm II. auf die Rominter Heide aufmerksam und kauft den Ort Therbude, wo er sich im norwegischen Stil ein Haus (Jagdhaus Rominten) und eine Stabkirche (Hubertuskapelle) errichtet. (heute nicht mehr vorhanden)
  • 1894 Bau der katholischen Kirche für die Gemeinde Goldap und Angerburg.
  • 1900 erhielt Goldap eine eigene Gasversorgung.
  • 1902/03 erfolgte der Bau der modernen Volksschule.
  • 1904 erhielt Goldap ein staatlich anerkanntes städtisches Reform- Realgymnasium, welches Nachfolger einer bereits 1613 erwähnten Lateinschule wurde.
  • 1905 entstanden das Wasserwerk mit Wasserturm und Pumpstation.
  • 1914 wurde Goldap von den Russen zerstört und besetzt. Nach Abzug der Russen begann der Wiederaufbau. Im Stil der "Neuen Sachlichkeit" errichtete der bedeutende Architekt Fritz Schopohl die Häuser auf allen vier Marktseiten, die ein geschlossenes Bild ergaben und für die Zeit sehr modern waren, ferner Hotels und Gasthöfe sowie das Kreishaus, das 1920 eingeweiht wurde.
  • 1921/22 wurde Goldap an das Stromversorgungsnetz angeschlossen.
  • Mitte Oktober 1944 begann die Rote Armee eine neue Offensive auf Goldap, die Stadt mußte geräumt werden. Die letzten Bewohner verließen am 21. Oktober 1944 Goldap, am folgenden Tag wurde die Stadt von den Russen besetzt und ein großer Teil von Goldap in Brand gesteckt. Anfang November 1944 wurde die Stadt von deutschen Truppen zurückerobert und bis Mitte Januar 1945 gehalten, danach kam die Stadt unter polnische Verwaltung.
 
Der Kreis Goldap in der Gegenwart :
 
Die Grenze zwischen der Republik Polen und dem zur Russischen Föderation gehörigen Königsberger Gebietes verläuft quer durch Ostpreußen sowie quer durch den Kreis Goldap, wenige Kilometer nördlich von Goldap in Ost-West Richtung. Ca 40% des Kreisgebietes befinden sich nördlich dieser Grenze, 60% südlich davon.

Von den 171 Dörfern existieren im russischen Teil nur noch drei, im südlichen polnischen Teil Grabowen/Arnswald, Dubeningken und Szittkehmen/Wehrkirchen fast vollständig; alle übrigen Ortschaften sind nur noch in Fragmenten vorhanden oder ganz ausgelöscht.

Der kleinere nördliche Teil des Kreises besitzt kein eigenes Zentrum mehr. Das Land ist zum größeren Teil dem Rayon Nesterov (Ebenrode/Stallupönen) und zum kleineren Teil dem Rayon Angerapp zugeschlagen. Fast die gesamte Bevölkerung ist arbeitslos, die soziale und wirtschaftliche Lage ist desolat. Seit 1990 haben sich ca. 600 Rußlanddeutsche aus Kirgisien und Kasachstan im nördlichen Teil des Kreises Goldap angesiedelt.

Der größere zur polnischen Republik geschlagene Teil verfiel 1945 bis 1990 in einen Dornröschenschlaf, fast ohne jede Entwicklung. Die angesiedelte polnische Bevölkerung mußte sich mehr als 25 Jahre mit den aus dem Krieg zurückgebliebenen Ruinen begnügen. Erst 1971 wurde zögernd mit dem Bau von Wohnhäusern im Plattenbaustil begonnen. 1983 wurde die im Kriege weitgehend zerstörte Alte Kirche aus dem Jahr 1580 - mit tatkräftiger Unterstützung der Kreisgemeinschaft Goldap e.V. - wieder aufgebaut.

Seit 1990 hat Goldap eine stürmische Entwicklung durchlaufen und sucht sichtbar den Anschluß an die Europäische Union. Eine forsche wirtschaftliche Entwicklung verbunden mit einer starken Bau- und Renovierungstätigkeit veränderte das Bild der Stadt. Die Entwicklung auf dem flachen Land hinkt allerdings hinterher.

Verwaltungstechnisch hat der polnische Staat den ihm zugefallenen Teil des Kreises Goldap in nur noch zwei Großgemeinden gegliedert: Die, das Süd-West-Viertel des Kreises umfassende Stadt und Gemeinde Goldap und die, das Süd-Ost-Viertel des Kreises umfassende Großgemeinde Dubeningken.

Zwischen den beiden Kreisteilen gibt es seit etwa 4 Jahren einen offiziellen Grenzübergang, der allerdings nur für den "kleien Grenzverkehr", also nur für die im Grenzgebiet ansässigen russischen und polnischen Staatsbürger, passierbar ist.

 
 

Besondere Sehenswürdigkeiten :
 
  • Die außerordentliche und liebliche Endmoränen - Landschaft mit Wäldern und Seen: Der Kreis Goldap zeichnet sich landschaftlich dadurch aus, daß er ein Endmoränengebiet der Eiszeit ist, das bedeutet es ist eine Landschaft mit vielen Hügeln und Seen. Hier befindet sich der Goldaper Berg, dieser hat eine Höhe von 272 m und gehört zum Seesker Höhenzug, dessen höchste Erhebung 309 m hat. Im Kreis gibt es einige große Seen. Die "Perle" des Kreises ist die Rominter Heide, ehemaliges Staatsjagdgebiet des deutschen Kaisers und anderer. Im Ort Staatshausen befindet sich das alte Eisenbahnviadukt über einem herrlichen Urstromtal mit dem Fluß "Blinde".
  • Der neu gestaltete Marktplatz in Goldap.
  • Die Kirchen in Grabowen, Goldap, Dubeningken; die Kirche in Gurnen als besonders schändliche Ruine.
  • Die Soldatenfriedhöfe in Goldap, Dubeningken und Szittkehmen. Die Kreisgemeinschaft konnte auf dem Goldaper Friedhof I ein Gräberfeld errichten, auf dem die noch auffindbaren Grabsteine der übrigen Friedhöfe aus deutscher Zeit in Goldap aufgestellt wurden. Hier wurde ein Gedenkstein mit folgender Inschrift, "Zum Gedenken an 16 Generationen deutscher Bürger, die in Goldap lebten und wirkten", aufgestellt.
  • Das Kriegerdenkmal 1914/18 in Bodschwingken/Herandstal ist gut erhalten und wird gepflegt. 
  • Das Kriegerdenkmal in Szittkehmen wurde von der Kreisgemeinschaft 1997 mit einer neuen Gedenktafel feierlich geweiht.
  • Im russischen Teil befindet sich in Tollmingkehmen die Kirche des deutschen Pfarrers Christian Donalitius, in der er vom 24. November 1743 bis zu seinem Tode am 18. Februar 1780 predigte. Die Kirche wurde von den Litauern 1971 als Museum wieder im alten Stil errichtet. (kann besichtigt werden)
  • In Groß Rominten ist die Backsteinkirche als Ruine vorhanden, das Kriegerdenkmal von 1914/18 ist vollkommen erhalten.

 
 

Mit freundlicher Genehmigung von Frau Waltraud Schmidt, Henstedt-Ulzburg

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Der lange Weg

 

© by Gert E. Meister-12.02.2000